Kommunikation

 

Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg

Wenn uns jemand mit Worten angreift, neigen wir dazu, uns zu verteidigen und zurückzuschlagen. Doch das so entstehende Wortgefecht bringt meist keine Seite ihrem Ziel näher, sondern belastet oder zerstört eher die Beziehung. Bei der gewaltfreien Kommunikation verzichtet man auf Angriffe und konzentriert sich auf die Gefühle und Bedürfnisse, die den oft unbedachten Äußerungen des anderen zu Grunde liegen.

Die Gewaltfreie Kommunikation ist ein Konzept, das von Marshall B. Rosenberg entwickelt wurde. Es soll Menschen ermöglichen, so miteinander umzugehen, dass der Kommunikationsfluss zu mehr Vertrauen und Freude am Leben führt. Im Vordergrund steht nicht, andere Menschen zu einem bestimmten Handeln zu bewegen, sondern eine wertschätzende Beziehung zu entwickeln, die mehr Kooperation und gemeinsame Kreativität im Zusammenleben ermöglicht. Manchmal werden auch die Bezeichnungen „Sprache des Herzens“ oder „Giraffensprache“ verwendet.

Ein wichtiges Anliegen gewaltfreier Kommunikation ist es, diese Haltung auch in anderen Menschen zu nähren und damit die Chance zu vergrößern, dass der andere Freude daran hat, mir in dieser Qualität zu begegnen bzw. mich so zu behandeln. Dabei gehen wir davon aus, dass wir Menschen von Natur aus dazu neigen, die Bedürfnisse anderer zu berücksichtigen.

Dies gilt allerdings nur unter zwei Bedingungen:
Wir glauben und vertrauen darauf, dass der andere unsere Bedürfnisse hört, ernst nimmt und berücksichtigt
Wir glauben und vertrauen darauf, dass wir frei entscheiden können, ob wir auf die Bitten anderer eingehen ohne Angst vor Vorwürfen, Kritik, Liebesentzug oder anderen Formen von Strafe.

Die vier Schritte

Sie sind die Struktur, das Gefäß in das wir unsere Worte gießen und mit dem wir den anderen einfühlsam aufnehmen. Wir können sie sowohl in unseren inneren Dialogen anwenden als auch in unseren Gesprächen mit anderen.

Sie sind ein leicht überschaubares Modell, doch wenn wir sie anwenden wollen, finden wir uns häufig unversehens in den automatisierten Denk- und Sprechweisen wieder, die uns seit Jahrzehnten vertraut sind. Wir brauchen Zeit und Übung bis wir unser Sprechen und unser Hören im Sinn der vier Schritte transformiert haben.

"Wenn die Verbindung zwischen zwei Menschen (wieder)hergestellt ist, findet sich die Lösung von selbst." MBR

I. Selbsteinfühlung
Ich spüre nach wie es mir geht und drücke das aus ohne den anderen zu beschuldigen, zu kritisieren, zu verurteilen oder Forderungen zu stellen.
  II. Einfühlung in den Anderen
Ich vernute und erkunde einfühlsam, wie es meinem Gegenüber geht. Wenn nötig übersetze ich seine Entwertungen, Beschuldigungen, Kritik, Vorwürfe und Forderungen.
1. Beobachtung, ohne Interpretation und Bewertung = Auslöser als Fakten
„Wenn ich sehe / höre...."

Wichtig: Beobachtung ohne Bewertung

  1. Beobachtung, ohne Interpretation und Bewertung = Auslöser als Fakten
„Wenn Du siehst / hörst..."
Was war vermutlich der Auslöser auf den er reagiert hat?

2. Gefühl ohne Verursacher außerhalb von mir
„... dann fühle ich mich ..."
Wichtig: Zwischen Gefühlen und Interpretation unterscheiden!

 

2. Gefühl
„...fühlst Du Dich dann ... / bist Du dann ..."

Was vermute ich, wie sich mein Gesprächspartner fühlt?

3. Bedürfnis
„weil ich brauche ..."
weil ich das Bedürfnis nach .... habe."
Wichtig: Zwischen Wunsch und Bedürfnis unterscheiden
  3. Bedürfnis
„weil Du .... brauchst ..."
„weil Du das Bedürfnis nach .... hast"
Was könnte das unerfüllte Bedürfnis sein?

4. Bitte

„Deshalb bitte ich mich / dich ...."
„Deshalb möchte ich gerne, dass ..."
Wichtig: Zwischen Bitte und Forderung unterscheiden
 

4. Bitte
„Und möchtest Du gerne ..."

Positiv formulierte, konkret machbare, handlungsorientierte Bitte herausfinden

Quelle Bilder:
Sven Hartenstein